Sekundäre Anwender in Seller Central

Seit kurzem verlangt Amazon Seller Central, dass für sekundäre Anwender persönliche Daten hinterlegt werden. Jeder Benutzeraccount, der neben dem Hauptbenutzer angelegt wird, gilt hier als sekundärer Anwender – und es betrifft selbst solche sekundären Anwender, die vor der Änderung angelegt wurden.

Dabei spielt es keine Rolle, ob der sekundäre Anwender Rücksendungen bearbeiten und/oder Rückerstattungen erteilen soll (also finanzielle Zugriffsrechte hat): so oder so werden die vollständigen persönlichen Informationen abgefragt:

  • Vorname, Nachname
  • Staatsangehörigkeit
  • Geburtsland
  • Geburtsdatum
  • Nummer und Ablaufdatum des Ausweises (Reisepass oder Personalausweis)
  • Anschrift (ggf. mittels Strom- oder Gasrechnung zu belegen)

So sieht die Abfrage mit echten Daten aus:

Amazon verification

 

Und so sieht die Abfrage mit Testdaten aus:

Amazon verification_fake

 

Ich frage mich, mit welcher Begründung Amazon diese Daten erhebt. Angesichts des neuen europäischen Datenschutzgesetzes (DSGVO), das in Kürze in Kraft tritt, ist diese neue Anforderung aus meiner Sicht mehr als problematisch. Gab es so viele gefälschte sekundäre Benutzer bzw. gehackte primäre Benutzer (bei denen der Hacker sekundäre Benutzeraccounts angelegt hat)?

Im übrigen: Ich als Dienstleister möchte meinen Kunden ziemlich ungern mein Geburtsdatum oder meine Ausweisnummer verraten. Und vor allem: Wie genau will Amazon hier für Datensicherheit sorgen? Auf welchen Servern in welchem Land werden diese persönlichen Daten gespeichert? Wie sind diese Daten vor Fremdzugriff gesichert? Und wieso muss ich überhaupt persönliche Daten an meinen Kunden weitergeben, nur damit dieser sie eintippt; wieso kann ich meine Daten nicht selbst verwalten? Name und Anschrift, klar, die stehen eh im Impressum und auf der Rechnung. Aber meine Passnummer? Und: Wer überprüft die hochgeladenen Dokumente, falls ich meine Ausweisnummer nicht angeben kann oder will?

Ich denke, hier wurde vorschnell auf ein bestimmtes Problem reagiert, ohne die ganze Angelegenheit zu Ende zu denken. Was machen denn große Firmen mit vielen Mitarbeitern? Denn es muss ja rückwirkend jedes einzelne Benutzerkonto verifiziert werden.

Nachtrag 23. März 2018: Amazon sieht sekundäre Anwender also als zahlungsberechtigt an (selbst wenn diese Option bei der Einrichtung des Anwenders abgewählt wird) und verlangt daher zur Identitätsprüfung persönliche Daten, die ein Zahlungsberechtigter hinterlegen müsste. Welche Daten genau benötigt werden, ist hier erläutert (vorher in Seller Central einloggen).

Folgendes hat Amazon weiterhin zur Datenspeicherung zu sagen:

Any personal information provided to or to be gathered by Amazon Services Europe is controlled primarily by Amazon EU S.à r.l. and Amazon Services Europe S.à r.l., the data controllers, all three at 5, Rue Plaetis L-2338, Luxembourg and secondarily by Amazon UK Services Ltd of 60 Holborn Viaduct, London, EC1A 2FD UK, the data processor.

Amazon Services Europe follows the same information practices as Amazon.co.uk, and information we collect is subject to the Amazon.co.uk Privacy Notice. By visiting the services.amazon.co.uk site, you are accepting and consenting to the practices described in the Amazon.co.uk Privacy Notice.

 

Will heißen: Die Daten werden nach britischem Datenschutzverständnis erhoben und gespeichert. Theoretisch müsste hier ab Mai natürlich die DSGVO zutreffen. Aber abgesehen von der Speicherung werden die Daten ja zunächst einmal erhoben, und die Frage ist, ob die Identität eines Zweitnutzers tatsächlich bis ins Detail überprüft werden muss, wenn eben dieser Zweitnutzer gar keinen Zugriff auf Zahlungen hat.

Andererseits: Wer Zugriff auf Bestellungen hat, hat auch Zugriff auf persönliche Daten (nämlich die der Kunden). Ganz so unwichtig ist es also wohl doch nicht, die Identität des Zweitnutzers zu prüfen – denn theoretisch muss, gemäß DSGVO, der Auftraggeber (Händler) mit dem Dienstleister (Zweitnutzer) einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung abschließen.

Fazit: Ich als Dienstleister möchte nicht, dass mein Auftraggeber meine persönlichen Daten (insbesondere mein Geburtsdatum und Ausweiskopie) hat. Ich könnte jedoch akzeptieren, dass ich diese Daten selbst in Seller Central eintragen und pflegen darf/muss.

5 thoughts on “Sekundäre Anwender in Seller Central

  • Hallo, gibt es schon weitere Neuigkeiten zum Thema oder erste Ergebnisse vom Kontakt mit Amazon? Ich fühle mich auch nicht wohl dabei mein Geburtsdatum und meine Passnummer herauszugeben.
    Grüße aus Köln, Moe

    • Hallo Moe 🙂

      Ja, ich habe mit Amazon telefoniert und sie haben mir Informationen dazu geschickt. Die Antwort ist leider nicht ganz befriedigend, da sich Amazon auf die Datenschutzrichtlinien von Amazon.co.uk beruft und somit auf Datenschutz aus britischer, nicht aus deutscher Sicht. Ich aktualisiere den Blogpost gleich mit den weiteren Infos.

      Danke fürs Lesen!
      Katja

    • Hallo Magnolia,

      das werde ich in Kürze mal testen & die Ergebnisse hier berichten. Eine gesonderte Benachrichtigung von Amazon zum Thema DSGVO habe ich jedenfalls nicht bekommen.

      Vielen Dank fürs Mitlesen!
      Katja

  • Dieses Thema ist mir vor lauter lauter wieder vom Radar gerutscht.

    Vor ein paar Wochen legte ich mir wieder ein neues Konto als Sekundärnutzer an und musste wie vordem meine Daten (Personalausweisnummer, Geburtsdatum usw.) dem Auftraggeber preisgeben. Es sieht also ganz so aus, als wäre es Amazon egal, dass der Händler persönliche Daten in den Händen hält.

    Als Alternative bin ich wie folgt vorgegangen: Der Auftraggeber hatte kein Problem damit, dass ich auf seinen Hauptaccount zugreife. Er blieb am Telefon mit mir bis der 2FA-Code durchkam. Ich loggte mich mit dem Hauptaccount ein, legte für mich das Konto an, loggte mich als mich ein, lud alle meine Daten hoch, loggte mich wieder mit dem Hauptaccount ein, erteilte mir die nötigen Berechtigungen, und konnte von da ab als ich selbst einloggen.

    Ist ein bisschen umständlich, aber so hat der Auftraggeber nicht den Umstand, alle meine Daten eintippen zu müssen, und ich fühle mich besser dabei, dass er/sie keine Kopie meines Personalausweises in der Hand hält. Allerdings fühle ich mich immer noch nicht wohl mit dem Gedanken, dass Amazon auf diese Weise über eine riesige Datenbank mit Namen, Geburtsdaten und Personalausweisnummern verfügt. Nun ja.

    Happy selling!
    Katja

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