Internetworld EXPO München, 6. & 7. März 2018

In der zweiten Märzwoche 2018 fand in München die Internetworld EXPO statt. Diese verzeichnete dieses Jahr >17.000 Besucher und >400 Aussteller sowie >200 Vorträge mit >250 Vortragenden [1]. Wie bereits auf der Net&Work am 17. Februar 2018 in Dortmund war Jochen Schweizer ein inspirierender und gern gesehener Keynote-Speaker.

Bei den Sessions ging es überraschend wenig um Amazon (was wohl eher der parallel stattfindenden AmazonWorld Convention geschuldet war), dafür umso mehr um die sonstigen Entwicklungen im E-Commerce. Immerhin: Branchenriesen wie Google Shopping, eBay und Otto kamen auch zu Wort.

Hier ein kleiner Überblick über die Themen, die mich besonders interessiert haben:

Warum eigentlich Amazon?

Als Händler sollte man alle Kanäle (eben auch Amazon) ausnutzen – man muss aber nicht. Ein interessantes Beispiel von Anne Golombek der Fa. minubo war das Beispiel eines Burgers: Natürlich hat McDonald’s das Marktmonopol und verkauft täglich riesige Mengen. Nichtsdestotrotz gibt es kleine, inhabergeführte Restaurants, die liebevoll hergerichtete Bioburger mit Süßkartoffelpommes und selbstgemachter Guacamole verkaufen. Will heißen: Wenn man sich eine High-End-Nische schafft, kann man möglicherweise sogar komplett auf Amazon verzichten.

Nichtsdestotrotz kaufen ca. 90% der deutschen Käufer auf Amazon. Die Gründe liegen auf der Hand: Sortiment, Preis, Schnelligkeit; das Stichwort hier ist also Convenience. Wenn Händler auf Amazon verzichten möchten, müssen sie sich von diesem Beispiel eine große Scheibe abschneiden, denn der heutige Amazon-verwöhnte Kunde will es (mit wenigen Ausnahmen) nicht mehr anders haben.

Marktplätze

Seit Amazon wissen wir, dass Marktplätze ein interessantes Geschäftsmodell sind. Mehr noch: Online-Marktplätze machen mittlerweile die Hälfte (49%) des gesamten Onlinehandels in Deutschland aus [2].

Amazon und eBay kennt man, klar. Über den wenig bekannten Hitmeister ist die Supermarktkette real eingestiegen. Otto, den ich noch mit Katalogen bei der Oma verbinde, will ebenfalls hoch hinaus und ist in Deutschland vom Nischenmarktplatz zum mittlerweile zweitgrößten (!) Marktplatz in Deutschland aufgestiegen. Noch 2013 war übrigens eBay der größte Marktplatz in Deutschland [3]; seitdem sinkt deren Relevanz [4] stetig.

Lokal/stationär

Kleiner Spoiler: Wir alle kaufen mindestens einmal pro Woche lokal, d. h. stationär ein, und sei es nur der Bäcker um die Ecke oder die Tankstelle.

Lokal bzw. stationär ist auch bei Marktplätzen wie eBay ein großes Thema: Denis Burger von eBay Deutschland beispielsweise berichtete über spannende Projekte mit verschiedenen Großstädten in Deutschland, die sich zielgerichtet an lokale Käufer wenden sowie lokale (teilweise sogar ausschließlich stationäre) Verkäufer dazu animieren, über die Region hinaus und sogar ins Ausland zu verkaufen.

Lokaler (stationärer) Warenbestand kann auch genutzt werden, um Online-Käufer schneller zu erreichen, meinte z. B. Andreas Platiel von Plattform-Anbieter ChannelAdvisor Deutschland. Auch Amazon macht dies bereits durch kluge Verteilung des Warenbestands über seine zahlreichen Warenlager hinweg.

Auch interessant: 82% aller Käufer nutzen im Ladengeschäft ihr Smartphone, um sich zu informieren: Die Grenze zwischen analog und digital verschwimmt also immer mehr.

Print ist nicht tot

Print ist übrigens gar nicht tot; ganz im Gegenteil. Diese lokalen Blättchen, die man regelmäßig im eigenen Briefkasten findet, haben eine Abdeckung von ca. 96% sagt Benjamin Thym von der Offerista Group GmbH. Käufer informieren sich sowohl online als auch offline. Will heißen: digital kann analog durchaus unterstützen (und umgekehrt).

Mobil

Über Mobil muss nicht mehr viel diskutiert werden; fast 40% aller online Einkäufe werden mittlerweile auf einem mobilen Endgerät abgeschlossen [5]. Einige Referenten sprachen, angesichts der rasanten Entwicklung insbesondere in Asien, daher sogar von Mobile First, wenn es um die Erstellung eines Online-Shops geht.

Allerdings: Gemäß Benjamin Thym von der Offerista Group GmbH liegt die mobile Konversion mit 2,5% deutlich niedriger als bei Desktop (4,5%), wobei eigenständige Apps besser konvertieren – vermutlich weil Käufer eine App erst dann installieren, wenn sie ohnehin bereits eine Kaufabsicht oder zumindest ein Kaufinteresse haben. Ziel muss also eine Verbesserung des mobilen Kauferlebnisses sein.

Personalisierung

Gleich in mehreren Vorträgen ging es darum, dass die Zukunft des E-Commerce in der personalisierten Erlebniswelt des Käufers liegen muss: Das beginnt bei der Shop-Homepage über die Werbebanner bis hin zum Newsletter, der statt Einheitsbrei maßgeschneidert auf den jeweiligen Käufer sein und dessen Nutzerhistorie ebenso berücksichtigen sollte wie den Kontext.

Spannend auch hier das Thema Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning. Beispielsweise berichtete Denis Burger von eBay Deutschland, dass KI-kuratierte Produktvorschläge bis zu 14mal (!) besser konvertieren als von Menschen erstellte. Damit sollte klar sein, dass sich der manuelle Aufwand (in der Regel) nicht (mehr) lohnt.

Voice

Mit Voice ist nicht nur die Bestellung per Smart Speaker wie Amazons Alexa gemeint, sondern auch Bestellungen bzw. Kundensupport über Chatbots und Messenger – das nennt sich dann Conversational Commerce. Gemäß Andreas Platiel von ChannelAdvisor hat Messaging beispielsweise bereits die Relevanz von E-Mail überholt. Und: Aktuell kommen 20% aller Suchanfragen über Voice statt über den geschriebenen Text; 50% sollen es bis 2020 sein.

Links

[1] Quelle: Offizielle Pressemitteilung

[2] Quelle: bevh

[3] Quelle: Statista

[4] Quelle: t3n

[5] Quelle: Etailment

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