E-Commerce-Tag Rhein-Neckar

Am 4. Juli 2018 fand in Mannheim wieder der E-Commerce-Tag statt, veranstaltet von der ibi research an der Universität Regensburg GmbH in Kooperation mit der IHK Rhein-Neckar. Es ging um SEO, Conversion-Optimierung, B2B, Online-Marktplätze, Internationalisierung & mehr. Offizieller Hashtag war #ectag, aber erstaunlicherweise wurde nur wenig getwittert.

Hintergrund

Der E-Commerce-Tag Rhein-Neckar findet alle 2 Jahre statt, 2018 bereits zum 5. Mal. Dafür gab es dieses Jahr eine ganze Woche mit unterschiedlichen Angeboten rund um Onlinehandel und Digitalisierung.

Die Themen

Auf einige der Themen und Konferenzen wollte ich etwas genauer eingehen:

  • Amazon
  • Multichannel
  • Die richtigen Kanäle nutzen
  • Conversion
  • Erfolg im E-Commerce
  • Lokale Initiativen
  • Weiterbildung

Amazon

Gleich zu Beginn wurde das heiße Eisen Amazon angepackt, denn der Umsatz von Amazon wächst exponentiell. 34% der Deutschen beginnen ihre Suche nach einem Produkt bereits auf Amazon (nicht auf Google); in den USA sind es sogar 55% der Käufer. Neuere Statistiken deuten sogar auf einen höheren Anteil hin – heutzutage führt also kaum ein Weg an Amazon vorbei.

Die gute Nachricht ist: Die IHK macht sich stark dafür, dass Amazon & Co. ihren fairen Anteil an Steuern zahlen, d. h. steuerlich genauso belastet werden wie der deutsche Mittelstand, denn momentan ist Amazon (und andere Marktplätze bzw. Onlinehändler) steuerlich klar bevorteilt. Hoffen wir, dass es ihnen gelingt.

Multichannel

Viele Händler bieten mittlerweile Multichannel an, also die Verknüpfung von stationärem Ladengeschäft mit Onlineshop(s) und Online-Marktplätzen.

Interessant: in Deutschland ist Amazon gar nicht der größte Online-Händler, sondern eBay. Die meisten Händler (85%) haben ein eigenes Ladengeschäft, etwa ein Drittel auch einen eigenen Onlineshop. Gefolgt wird dies von unterschiedlichen Marktplätzen wie eBay, Amazon, Otto, Real und anderen überregionalen Marktplätzen. Ganz zum Schluss kommen erst die lokalen Marktplätze, auf denen nur 3% aller Händler vertreten sind.

Mehr als ein Drittel der Händler sind Multichannel, 11% verkaufen ausschliesslich online.

Die Herausforderung für den stationären Handel beginnt damit, dass viele Produktdaten nicht e-commerce-tauglich sind, also z. B. in unterschiedlichen Formaten vorliegen oder gar nicht erst digitalisiert sind. Hinzu kommt, dass der Abgleich selbst zwischen Filialen (z. B. von Lagerbeständen) oft schwierig ist bzw. gar nicht erst stattfindet.

Die gute Nachricht ist: Grundsätzlich ist die Digitalisierung im Handel angekommen. Allerdings sind insbesondere kleine Händler noch skeptisch. Überregionale Marktplätze wie Amazon und eBay sind hier wichtige Treiber, mit denen man sich – so oder so – auseinandersetzen muss.

Generell lässt sich weiterhin sagen, dass der E-Commerce-Umsatz stetig wächst und den klassischen stationären Handel nicht verdrängt sondern ergänzt, z. B. in den Bereichen Kundenservice, Produktrecherche und Retourenmanagement. Die Kanäle verschmelzen also immer mehr, so Dr. Georg Wittmann von der ibi research.

Die richtigen Kanäle nutzen

Oliver “Olli” Weiß, Gründer & Geschäftsführer von ARS24, fiel gleich mit mehreren steilen Thesen ins Haus: Amazon ist aufgrund der Bedingungen für Händler und der Billig-Mentalität seiner Nutzer untragbar, Google AdWords & Preisvergleichsportale sind Geldvernichtungsmaschinen, Instagram kapiert eh keiner, Facebook ist wichtig (aber nur zur Bespaßung der Fans), und YouTube ist einfach nur geil.

Die Essenz hier: nicht über den Preis verkaufen, sondern Kunden durch Bekanntheit & Community fördern, Vertrauen aufbauen, kompetent zu erklärungsbedürftigen Produkten beraten. Dann schaut der Kunde auch nicht mehr auf den Preis bzw. zieht man überhaupt erst die richtige Kundengruppe an. Also: erst das Vertrauen, dann der Verkauf (Randnotiz: genauso ist Amazon übrigens erfolgreich geworden!). Wichtig ist: der Content muss wichtig und unterhaltsam sein, und vor allem authentisch.

Und: nicht die Zahl der Abonnenten oder Likes ist wichtig, sondern was am Ende tatsächlich hängenbleibt. Womit wir bei der Conversion wären.

Conversion

Manuela Paul von der ibi research und Patricia Kaufmann von der SHI GmbH erzählten viele spannende Dinge zum Thema Conversion-Optimierung. Findet der Nutzer schnell & einfach, was er sucht? Entspricht Gestaltung, Struktur und Content meiner Zielgruppe? Usability also ist das A und O.

Wichtig, sich immer wieder ins Gedächtnis zu rufen: Conversion-Optimierung ist ein ständiger Prozess, kein einmaliges Projekt mit einem festen Enddatum. Neue Maßnahmen halten schonmal 2-3 Jahre, danach lässt der Effekt aber wieder nach.

Erfolg im E-Commerce

Wer im E-Commerce erfolgreich sein will, muss vor allem eins: messen, zählen, wiegen – so Dr. Ernst Stahl von der ibi research, und stellte u. a. Mystery Shopping im E-Commerce vor. Fun Fact: Rechnet man den (stationären) Lebensmitteleinzelhandel raus, beträgt der Marktanteil von E-Commerce bereits 25%. Dennoch: Umgekehrt bedeutet dies, dass 75% des Handels weiterhin stationär stattfindet.

Lokale Initiativen

Dr. Ernst Stahl von der ibi research stellte gleich mehrere interessante lokale Projekte vor. Was jedoch auffällt: unfassbar erfolgreich sind solche Projekte wohl generell nicht. Einen Grund dafür gibt es auch: es existiert eben nur ein bedingter Lokalpatriotismus, egal, wie sehr sich die lokalen Einzelhändler das Gegenteil wünschen. Selbst die Stadt Regensburg verzeichnet ca. 20% weniger Besucher in der Innenstadt als früher.

Aber auch wir als Kunden müssen uns an die eigene Nase fassen, wenn wir ein breites lokales Angebot wünschen: Es reicht eben nicht, wenn wir sonntags unsere Brötchen beim Bäcker holen, diese dafür aber unter der Woche bei der großen Supermarktkette kaufen.

Weiterbildung

Weiterbildung ist auch im stationären Handel ein großes Thema. Obwohl 86% der Händler (!) Weiterbildungsbedarf haben, bieten nur 25% der Händler ihren Mitarbeitern dies an. Eine große Lücke also.

Mein Fazit

Der Onlinehändel wächst und gewinnt weiterhin an Bedeutung. Daran kommt niemand vorbei, egal, wie sehr sich manche Einzelhändler in den Innenstädten die „gute alte Zeit“ zurückwünschen. Kunden heutzutage sind bequem und verwöhnt – aber haben eben auch mehr Optionen als früher. Darauf muss man als Händler eingehen. Nichtsdestotrotz: 75% des Handels wird weiterhin im Ladengeschäft abgewickelt.

Und: Online und offline wächst immer mehr zusammen; auch darauf sollte man als Händler eingehen. Persönliche Beratung, In-Store Pickup und Retourenmanagement sind gute Möglichkeiten, ein Onlineangebot zu ergänzen. Ein gut gepflegter Onlineshop sowie eine Präsenz auf eBay, Amazon & Co. können eine gute Ergänzung zum stationären Ladengeschäft sein. Wichtig ist, den passenden Onlinekanal (bzw. die passenden Onlinekanäle) für das eigene Geschäft zu identifizieren.

Zu guter Letzt sollte man sich und seine Mitarbeiter auf dem Laufenden halten und sich ständig informieren und weiterbilden. Der E-Commerce-Tag (der nicht nur in Mannheim, sondern auch in Offenburg und Regensburg stattfindet) bietet eine tolle Gelegenheit dazu.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

WP Twitter Auto Publish Powered By : XYZScripts.com